Wie können die grausamen Delfintreibjagden in Taiji beendet werden?

(ProWal - 31.08.2017) - Natürlich haben die japanischen Fischer Interesse daran, dass es in "ihren" Gewässern so gut wie keine Konkurrenten gibt. Das ist auch der Grund, warum in 8 Präfekturen tausende Delfine jedes Jahr vor der japanische Küste gejagt und ermordet werden. Über diese Off-Shore-Jagden ist kaum etwas bekannt und stehen leider auch nicht im Fokus von Tierschützern. Vor zehn Jahren gaben die japanischen Botschaften noch Auskünfte darüber, wie viele Tiere von jeder Art genau getötet wurden. Damals wurden Zahlen von etwa 20.000 im Jahr genannt. Diese Auskünfte werden heutzutage nicht mehr erteilt.

Warum aber genau in dem kleinen Fischerort Taiji auch lebende Delfine gefangen werden, ist natürlich längst bekannt (Anm: finanziell lukrativer Verkauf an Delfinarien weltweit) - aber was genau kann dazu führen, damit die grausamen Delfintreibjagden dort beendet werden?

Die Antwort wäre an und für sich ganz einfach. Gäbe es keine Nachfrage mehr nach Show-Delfinen, dann wären diese Treibjagden nicht mehr lukrativ und müssten wohl eingestellt werden.

Die heutige Situation ist jedoch eine ganz andere und es bedarf sehr baldige Änderungen in den Vorgehensweisen und immense Anstrengungen!

Wer hat Bedarf an Show-Delfinen für Delfinarien?

Natürlich zuallererst Japan selbst. Das Land hat fast doppelt so viele Delfinarien (über 50), wie alle 13 EU-Staaten zusammen, in denen es Delfinarien gibt (30). Kaum ein Delfinarium in Japan würde ohne wildgefangene Delfine auskommen. Die Tendenz in Japan ist jedoch stagnierend - der Boom zum Bau neuer Delfinarien ist vorbei.

Der Widerstand gegen Einrichtungen, in denen Delfine in Gefangenschaft gehalten und für kommerzielle Zwecke ausgebeutet werden, steckt in Japan leider noch in den Kinderschuhen. Es gibt kaum Aufklärungs-Kampagnen über die Hintergründe von Delfinarien in diesem Land, was so natürlich nicht dazu führen wird, dass Anlagen in Japan geschlossen werden.
Einzelne Japaner sind seit geraumer Zeit dazu übergangenen, sich selbst in Taiji über die Geschehnisse zu informieren und darüber auch zu berichten, was nicht nur mutig, sondern auch sehr lobens- und unterstützenswert ist! Dies ist ein wichtiger Schritt, denn in den letzten Jahren wurden solche Dokumentationen überwiegend von Personen oder Organisationen durchgeführt, die aus dem Ausland stammten - zumeist aus dem Westen. Solche Berichterstattungen oder gar Ratschläge, sind bei den meisten Japanern verpönt und kommen überhaupt nicht gut an, weil sich kaum ein Japaner von einem Ausländer vorschreiben lässt, was er zu tun hat und was nicht. Berichterstattungen von Einheimischen sind dagegen schon glaubwürdiger und es ist zu hoffen, dass es mehr Japaner werden, die sich dann auch zusammentun und schlagkräftiger werden, um dann auch im Land selbst auch Schließungen von Delfinarien zu erreichen. Dazu sind auch nur die Japaner selbst in der Lage.

Es ist heutzutage auch nicht mehr notwendig, dass verschiedene Organisationen oder Initiativen aus dem Ausland die Geschehnisse in Taiji tagtäglich dokumentieren. In den westlichen Ländern kamen diese Dokumentationen an, was zwar zur weiteren Sensibilisierung und Haltung der Bevölkerung gegen Delfinarien geführt hat, aber dafür nahezu untauglich waren, um die Menschen zu erreichen, die Delfinarien besuchen, in denen sich tatsächlich auch Delfine aus Japan befinden!
Zudem ist es kontraproduktiv, gerade diejenigen, welche sich in westlichen Ländern gegen Delfinarien stellen und engagieren, so dermaßen mit grausamen Bildern und Videos, ja gar Live-Streams, zu überfluten, dass sie schon gar Angst haben, ihren Computer anzuschalten oder noch schlimmer, sich von diesem Thema ganz abwenden. Jede Seele hat eine Belastbarkeitsgrenze!

Durch unsere eigenen Besuche (von 2010 bis zuletzt im Januar 2017) stellten wir in Taiji selbst fest, dass die permanente Anwesenheit von Ausländern über den Zeitraum der Delfintreibjagden (September - Februar) in Taiji dazu geführt hat, dass es immer schwerer geworden ist, dort zu dokumentieren. Zum Beispiel lassen sich heutzutage genaue Zahlen über Tötungen oder Lebendfängen immer häufiger gar nicht mehr feststellen und arten in Schätzungen von bis aus. Es gibt heutzutage immer mehr Einschränkungen für Besucher in Taiji, was natürlich auch zu Lasten der japanischen Aktivisten geht, die nun selbst dort die Geschehnisse dokumentieren möchten und eben auch sollten.
Weniger wäre einfach mehr! Es ist die Zeit gekommen, um das Zepter der Dokumentationen den Einheimischen zu übergeben und dazu würde es auch völlig ausreichen, wenn nur noch 2 - 3 Personen die Geschehnisse rund um die Delfintreibjagden dokumentieren und diese dann auch dorthin transportieren, wo Aufklärung bisher so gut wie überhaupt nicht stattfand und damit viel zielführender wäre, wie z.B. in Japan selbst oder China, wo z.B. die Zugänge zu Facebook und YouTube gesperrt sind!

Der zweite wichtige Aspekt, um die Delfintreibjagden in Taiji eines Tages zu beenden, sind die Exporte von Delfinen in andere Länder zu stoppen. Das ist ein enorm wichtiger Ansatz und darauf muss sich der zukünftige Fokus ausrichten, auch wenn es ein sehr weiter Weg ist und leider auch sehr lange dauern kann, bis dies erreicht wird.

Es gibt über 100 Delfinarien, zumeist in Asien, welche bisher wildgefangene Delfine aus Japan importiert haben - Tendenz rasant ansteigend!

Allen Ländern voran ist China der größte Importeur von wildgefangenen Delfinen aus Taiji!

In China gab es vor wenigen Jahren noch eine überschaubare Anzahl an Delfinarien. Weil die Chinesen mittlerweile aber immer mehr Geld verdienen und auch mehr Freizeit haben, sprießen neue Delfinarien wie Pilze aus dem Boden. Jede Stadt hat Ambitionen, ein eigenes Delfinarium zu besitzen, um den Einwohnern etwas zu bieten, wo sie ihre Freizeit verbringen können.

Die aktuelle Nachfrage nach Delfinen ist deshalb gigantisch und kann durch eigene Züchtungen nicht gedeckt werden. Deshalb werden Delfine gekauft, woher man sie nur bekommen kann, auch wenn diese aus freier Wildbahn entrissen wurden. Geld spielt bei den Betreibern solcher Anlagen in China offenbar keine Rolle. Sie zahlen jeden Preis, der für einen Delfin oder einen Weißwal verlangt wird!

Wir recherchierten Anfang 2017 in sieben Delfinarien in China und stellten dabei katastrophale Haltungsbedingungen fest. In der Stadt Zhuhai beispielsweise wurde 2014 ein Freizeitpark mit mehreren Delfinarien eröffnet, welches etwa 2,4 Milliarden Euro kostete. Die gigantische Investition scheint sich zu lohnen, denn 2015 besuchten etwa 7,5 Millionen Gäste diese Anlage - Eintrittspreis 53 Euro pro Person. Etwa 40 Delfine und 10 Beluga-Wale befinden sich dort und alle Tiere werden gar bis auf ihr Blut ausgebeutet. Wir dokumentierten, wie ein verletzter Großer Tümmler blutend an einem Foto-Shooting mit Besuchern teilnehmen musste! Die meisten Delfine in dieser Anlage wurden in Taiji/Japan und alle Belugas in Russland gekauft. Shows mit Orcas sind geplant.

In anderen Delfinarien ist die Situation für die Tiere nicht besser. In Shenzhen dokumentierten wir, wie sich ein Delfin sein Leben nehmen wollte! In der Stadt Guangzhou dokumentierten wir, wie vier Belugas in einem Einkaufszentrum eingesperrt sind und ohne Umweltreize in einem winzigen Betonbecken dahinvegetieren!

Jedes Delfinarium in China hat Ambitionen, nicht nur Polarwölfe, Eisbären, sondern auch die weißen Wale zu besitzen. Ob die Tiere in diesen klimatischen Bedingungen (im Sommer ist es mancherorts über 35° C) lange überleben oder nicht, spielt bei den Betreibern kaum eine Rolle. Sie können eben noch problemlos nachgekauft werden. Die Besucher haben über die Hintergründe der Gefangenschaftshaltung von Delfinen und Walen kein Hintergrundwissen. Sie glauben nur das, was ihnen die skrupellose Delfinarien-Industrie vorgaukelt.

China ist heute zum größten Importeur von wildgefangenen Delfinen mutiert, die zumeist aus den grausamen Treibjagden in Taiji stammen. Damit ist das Land direkt mitverantwortlich für die brutalen Geschehnisse in Taiji! China trägt dazu bei, dass die Bestände der Großen Tümmler vor der Küste Taijis vor dem Kollaps stehen und gefährdet die freilebenden Populationen der Beluga-Wale in Russland.

Nur durch den Verkauf von Delfinen an Delfinarien in Japan und ins Ausland, allen voran nach China, sind die Delfintreibjagden in Taiji sehr lukrativ.

Wenn sich der Widerstand gegen die eigenen Delfinarien in Japan selbst nicht sehr bald entwickelt und auch schlagkräftig wird und wenn nicht gegen Länder vorgegangen wird, welche Delfine aus Japan importieren, dann werden die Delfintreibjagden in Taiji erst dann enden, wenn es dort keine freilebenden Populationen mehr gibt!

Andreas Morlok
CEO ProWal

Links:

Video - Delfinfänge in Taiji - Importe in China -

.be

Informationen über Taiji
http://walschutzaktionen.de/1547201/home.html

Informationen über Delfinarien in China
http://walschutzaktionen.de/3265752/home.html

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Bitte beteiligen Sie sich an unserer E-Mail-Online-Aktion und fordern Sie mit uns die Verantwortlichen auf, den Import von Delfinen und Walen nach China zu verbieten. Die Chancen, dass dies auch geschieht, stehen nicht schlecht, denn nur wenige profitieren von der Ausbeutung der Meeressäuger und ruinieren dabei das Image des gesamten Landes, worauf China eigentlich einen sehr großen Weg legt!

E-Mail-AKTION ZUM MITMACHEN - FORDERUNG FÜR EIN IMPORTSTOP FÜR DELFINE UND BELUGA-WALE IN CHINA

https://www.facebook.com/groups/1401964263185319/

http://walschutzaktionen.de/3380952.html

 

01.09.2017 - Sea Shepherd will no longer send volunteers (Cove Guardians) to document the dolphin slaughter in Taiji, Japan

The change in tactics is partly due to new laws that target activists entering Japan.

"Sea Shepherd cannot in good conscience send others into a situation where their freedom and rights are threatened, especially since there would be no progress to be secured by our volunteers being detained and prosecuted in Japan's kangaroo courts. Other groups may be able to continue to monitor Taiji without consequences and we wish them the best of luck and hope they are not persecuted as our volunteers have been in recent years."



 

Foto Suzanne Pucher: Pucher's in Taiji(WDSF - 11.02.2017) Ein Reisebericht eines Ehepaars, das anlässlich seiner Hochzeitsreise den Ort Taiji in Japan besuchte. Taij wurde berühmt berüchtigt durch den Oscar-prämierten Film „Die Bucht“ mit dem Ex-Delfintrainer der Fernsehserie „Flipper“ und heutigen Delfinschützer Ric O’Barry. Jedes Jahr zwischen September und März werden im Meer vor Taiji Hunderte Delfine von Fischern zusammengetrieben, um die schönsten für den finanziell lukrativen Export einer Gefangenschaft in Delfinarien vorzubereiten. Die Fangquote in Taiji pro Jahr liegt von der Regierung genehmigt bei fast 2.000 der Meeressäuger, in ganz Japan bei rund 20.000 Delfinen. Viele der Delfine werden für Supermärkte und Kantinen getötet und nur wenige wieder freigelassen, von denen viele traumatisiert im offenen Meer sterben.

Bericht von Suzanne und Heinz Pucher

„Ende Dezember 2016, Anfang Januar 2017 besuchten wir die Gegend um Taiji in Japan. Es war unsere Hochzeitsreise. Wir wanderten in einem schönen Naturschutzgebiet und bestaunten den höchsten Wasserfall Japans. Am 04. Januar 2017 besuchten wir den berüchtigten Fischerort „Taiji“, wo Delfine für die weltweite Delfinarien-Industrie gefangen aber auch zum Verzehr getötet werden.

Am Hafen angekommen dauerte es nicht lange und ein Polizeiwagen fuhr vor, gefolgt von zwei Polizistinnen, zwei Polizisten und zwei Herren der Küstenwache. Dazu kam noch ein Zivilfahrzeug mit zwei weiteren Personen. Ich war überrascht.

Man befragte uns an diesem Tag 2,5 Stunden woher wir kamen, was wir an diesem Tag noch vorhaben und wie lange wir in Japan und natürlich auch in Taiji bleiben werden. Unsere Rucksäcke wurden durchsucht, dann erfolgte eine Körperkontrolle und unser gesamtes Fahrzeug wurde komplett auf den Kopf gestellt. Ein Zivilfahrzeug begleite uns permanent bis wir Taiji wieder verließen.

Foto Suzanne Pucher: Pucher's in TaijiAm nächsten Tag wollten wir in Taiji das „Dolphin Base“ besuchen, das am Vortag wegen eines Vorfalls gesperrt war. Es hieß, jemand hätte versucht, ein Loch in ein Delfinnetz in einem der Meerwassergehege zu schneiden, um die Delfine entkommen zu lassen. Waren nun alle westlichen Touristen unter Generalverdacht?

Das "Dolphin Base" ist eine Freizeiteinrichtung in Taiji wo Besucher mit Delfinen schwimmen und interagieren können.

Gegen 6:30 Uhr waren wir bereits am Hafen als die Treibjagdboote rausfuhren, um Delfinschulen vom offenen Meer aus in eine Fangbucht in Taiji zu treiben. Wir bemerkten jedoch bereits beim Eintreffen in Taiji, dass uns erneut ein Polizeiwagen folgte. Zwei Polizisten fragten uns kurze Zeit später, was wir dort machen würden. Das „Dolphin Base“ war geöffnet und wir dürften es besuchen, hieß es. Allerdings hätte man noch einige Fragen an uns.

Da wir noch nicht gefrühstückt hatten, fuhren wir zuerst zu einem Supermarkt um dort Kaffee zu trinken, wieder mit Polizeibegleitung.

Foto Suzanne Pucher: Pucher's in TaijiZurück im „Dolphin Base“ befragte man uns erneut über die Absicht unseres Aufenthaltes in Taiji. Fragen die am Vortag bereits gefragt und von uns beantwortet wurden. Dann folgte die Frage ob wir kooperativ wären und zur Aufklärung des Falls im „Dolphin Base“ beitragen wollten. Wir wurden gebeten, den Polizisten auf das Revier zu folgen und unsere Fingerabdrücke und Handflächenabdrücke abzugeben. Da wir nichts zu verbergen hatten stimmten wir zu. Mein Mann sollte dann plötzlich auf der Wache seine Schuhe ausziehen. Alles wurde notiert, Größe, Marke, Farbe und dann wurden von uns auch noch Schuhsohlenabdrücke genommen. Das hätte man doch glatt vergessen uns zu sagen, hieß es. Ebenso wurden die Marken unserer Jacken notiert. Wir hatten ein sehr mulmiges Gefühl und das Ganze war doch sehr befremdlich und äußerst unangenehm. Wir empfanden diese erkennungsdienstlichen Maßnahmen als reine Schikane und sehr störend zumal wir ausdrücklich darauf hingewiesen hatten, dass wir uns lediglich als Touristen in Taiji aufhalten würden.

Wir waren noch nie in Japan und haben uns noch nie etwas zu Schulden kommen lassen. Ungeheuerlich, dass man so unter Generalverdacht gestellt wurde, möglicherweise an einer illegalen Aktion mit dem Zerschneiden von Netzen mitgewirkt zu haben. Kein gutes Beispiel, wenn das Land auf Tourismus setzen möchte. Diese Hochzeitsreise werden wir so schnell nicht vergessen.“

Suzanne und Heinz Pucher


22.08.2017 - Japanische Polizei überwacht Gegner von Delfin-Jagd (BRF)