• 12.05.2017 

    "Umstrittene Delfinzucht - Überleben die Meeressäuger in Gefangenschaft nur durch Medikamente?"

    Quelle:
    Bayerischer Rundfunk

    Radio-Beitrag des Bayerischen Rundfunk vom 12.05.2017 mit Interviews mit dem Nürnberger Tiergartendirektor Dag Encke und dem Geschäftsführer des Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) Jürgen Ortmüller. In einer von dem Fachmagazin "Plos One" veröffentlichten US-Forschungsarbeit heißt es, dass Delfine in freier Wildbahn häufiger krank seien als Artgenossen in Gefangenschaft. Das Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) weist bezogen auf die Studie darauf hin, dass Delfine in Delfinarien regelmäßig mit Medikamenten am Leben erhalten werden und die Studie daher nicht repräsentativ vergleichbar sei.

    Erwähnt wurde auch das zukünftige Verbot in Frankreich, dass Delfine und Orcas nicht mehr in Delfinarien gehalten werden dürfen, insbesondere auch aus dem Grund der Verabreichung von "Drogen". Dag Encke rechfertigt die Medikamentengabe in seinem Delfinarium mit dem Tierwohl.

 

 

 

(WDSF - 06.05.2017) In einer von dem Fachmagazin "Plos One" veröffentlichten US-Forschungsarbeit heißt es, dass Delfine in freier Wildbahn häufiger krank seien als Artgenossen in Gefangenschaft. Das Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) weist bezogen auf die Studie darauf hin, dass Delfine in Delfinarien regelmäßig mit Medikamenten am Leben erhalten würden und die Studie daher nicht repräsentativ vergleichbar sei.

Das WDSF hatte im Delfinarium des Zoo Duisburg in einem fünfjährigen Zeitraum aufgrund von gerichtlich erwirkten Akteneinsichten festgestellt, dass über 20 Medikamente und Präparate zur Anwendung kamen. Ebenso wurden im Nürnberger Delfinarium über 30 Medikamente nachgewiesen, die den Delfinen über einen mehrjährigen Zeitraum verabreicht wurden.

An erster Stelle stand nach Angaben des WDSF bei der Behandlung der Delfine Antibiotika und in Nürnberg, teilweise auch in Duisburg, sei bei fast allen Delfinen auch das Psychopharmaka Diazepam (Valium) und Serenin verabreicht worden. Das WDSF hatte ermittelt, dass in einem Zeitraum von weniger als fünf Jahren im Tiergarten Nürnberg bei sechs Delfinen insgesamt über 10.000 Milligramm Diazepam und zusätzlich über 1.000 Kapseln des Beruhigungsmittel Serenin angewandt wurden.

Das Landesinstitut für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) äußerte sich nach der Aufdeckung der Psychopharmakagabe durch das WDSF im Tiergarten Nürnberg nach einer eigenen Kontrolle: "Bei der arzneimittelrechtlichen Überprüfung wurde festgestellt, dass entgegen den Angaben des Tiergartens mindestens drei Delfine Diazepam zur Behandlung von Verhaltensproblemen erhalten haben. Aus Sicht des Tierschutzes ist eine dauerhafte Haltung von Tieren nicht verhaltensgerecht, wenn sie nur mit Einsatz von Medikamenten zur Beruhigung möglich ist." Die Aussage zur Verwendung von Medikamenten bei Tieren in Zoos hatte auch die Bundesregierung im Jahr 2015 in einer Antwort auf eine Fraktionsanfrage getroffen.

WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller: "Die Studie zu Krankheitssymptomen bei Delfinen in freier Wildbahn ist sicherlich korrekt, weil schädliche Umwelteinflüsse das Immunsystem dieser Delfine aktivieren. Die Belastung von frei lebenden Delfinen und auch der Wale mit Quecksilber und PCB's ist inzwischen beträchtlich. Allerdings hingt die US-Studie, wenn der Gesundheitszustand von frei lebenden Delfinen mit nur zwei Delfin-Anlagen mit Delfinen in Gefangenschaft in den USA verglichen wird. Es ist davon auszugehen, dass sämtliche Delfine in Gefangenschaft nur durch Medikamente überleben."

 

 

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