Nachrichtenbeitrag des japanischen Fernsehens Fuji Television Network vom 28. Mai 2015 über die Delfinhaltung in Duisburg, über die Kritik des WDSF und über die Tagung der JAZA (jap. Verband der Zoos und Aquarien)

Fuji Television Network(WDSF - 29.05.2015) Transkription des japanischen TV-Beitrags:

Jemand aus dem Publikum sagt: "Es ist eine gute Show. Ich wusste nicht, dass Delfine so akrobatisch sind." Auch in Deutschland wird die Haltung von Delfinen jedoch zunehmend schwerer. In Deutschland gab es früher Delphin-Shows an mehr als 10 Standorten die reduziert wurden als eine Reaktion auf eine Welle von Kritik. Jetzt sind es nur noch zwei Orte, wie auch hier in Duisburg.

Und in Deutschland hat sich auch der Tierschutz wie in anderen Ländern entwickelt. "Dolphin Show ist ein Missbrauch" lautet die Kritik von Tierschutzverbänden und die Zoo wären an der Reihe, die Shows zu stoppen.

Die Show, sagt jemand im Delphinarium Duisburg, ist nicht gut für Delphine. Aber eine Mutter sagt auch, dies sei schön für die Kinder und das ist das Dilemma Nummer eins. Wie können die Tiere auf so einem engen Raum wie diesem leben, viele Einrichtungen sind oft sehr schlecht.

Die Zucht von Delphinen im Zoo funktionierte zum ersten Mal in den 50er Jahren. Die Delphine in Duisburg sind aktuell sieben Tiere mit wilden Delfinen, die in Kuba und Mexiko eingefangen wurden. Fünf Delphine wurden per Zucht in dem Aquarium geboren.
Der Tierarzt im Zoo sagt „Mit der Delphin-Show möchten wir auch auf eine Bedrohung in der ökologie und der natürlichen Umwelt hinweisen, um auch die (ökologischen) Frage zu lehren.“ Die Zooseite plant in der Zukunft die Züchtung fortzusetzen.
Lokale Tierschutzorganisationen haben das Ziel, ein Verbot der Zucht herbeizuführen und diese zu stoppen und zu hinterfragen, ob die Zoos berechtigt sind, entsprechende Aktivitäten in Europa zu fördern. In der Tat, eine wachsende Zahl von Einrichtungen hat bereits die Zucht gestoppt.

Delfinarium Duisburg (WDSF Foto)Jürgen Ortmüller’s Tierschutzorganisation"WDSF" setzt sich dafür ein, „dass in Zukunft in Deutschland, in ganz Europa und der Welt Delphinarien geschlossen werden", sagt er. Im Jahr 2013 gab es in der Schweiz eine Gesetzesänderung, welche die Einfuhr von Delphinen verbietet. Dies sollte in ganz Europa durchgeführt werden und gleichzeitig sollten die Delphine den Status quo behalten (Anm. Jürgen Ortmüller/WDSF: „Ich habe dem japanischen Fernsehen gesagt, dass die Delfine bei Schließung von Delfinarien in fachkundig geführten teiloffenen Meeresbuchten untergebracht werden sollten.“)

In diese Entwicklung wurde jetzt die japanischen Vereinigung der Zoos und Aquarien (Anm.: JAZA) einbezogen, um die Delphine zu erhalten und die Zielsetzung ist, dass bei der Fischerei in Wakayama Taiji Delphine nicht mehr gefangen genommen werden. Beim 21. Tanaka-Treffen des Aquariums "Umitamago" gehen sie davon aus, dass es eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt. Als eine von ihnen wird auch die Möglichkeit der Rücknahme der Delfinfänge einbezogen

Während Stimmen aufkommen, welche die Möglichkeit des Austritts (Anm.: aus dem Weltverband WAZA) die japanische Vereinigung der Zoos und Aquarien in 28 Tage erwägen, eröffneten sie die Vollversammlung, um ein Verfahren zum Erhalt der Delphine in Zukunft zu entwickeln und die Zucht zu fördern.

Arai Ichiri, Präsident der japanischen Vereinigung der Zoos und Aquarien, machte Anmerkungen zur Zucht der Delphine. Es gab vereinzelt Stimmen der Unzufriedenheit in der Diskussion wegen des Widerrufs des Bezugs von Delphinen aus dem Delphinfang (Anm.: auch aus Taiji). „Es gibt keine spezifische Planung in der Zukunft. Wir müssen das Thema für die Zukunft beobachten.“
Bei gleichzeitigem Gegenwind in der Welt, geht die Erkundung von Japan zur Sicherung der Delphine weiter. (Kansai) --

23.10.2009 - Radio-Interview der Deutschen Welle mit Ric O'Barry und Jürgen Ortmüller (WDSF) zum Film "Die Bucht" - dort unter "Audio" am Ende des Textbeitrags

08.09.2015 - Das Wal-Museum in Taiji/Japan verlässt die japanische Zoo- und Aquarien-Vereinigung JAZA (Riffaquaria) 

Der größte Delfinhändler in Taiji, das Wal-Museum, tritt aus dem japanischen Zoo-Verband aus, um die Vorgaben der WAZA, keine wildgefangene Delfine aus den brutalen Delfin-Treibjagden mehr zu erwerben, zu umgehen.

01.06.2015 - Verkaufsstopp für Zoo-Delfine aus Taiji – Ende der grausamen Jagd? (RTL)

20.05.2015 - Der japanische Verband der Zoos und Aquarien (JAZA) hat soeben das Abstimmungsergebnis bekannt gegeben, dass sie aufgrund des drohenden Ausschlusses aus dem Weltverband WAZA (mit Sitz in der Schweiz) keine Geschäftsbeziehungen mehr zu den Delfinfängern in Taiji/Japan eingehen wird. Dem Delfinfang und dem Töten von Delfinen in Taiji wird durch diese Entscheidung ein schwerer Schlag versetzt, der möglicherweise das Ende des Delfinfangs in Taiji bedeutet.

Fänge in Taiji/Japan nach Pingereinsatz in der Saison 2014/15 rückläufig (ProWal-Homepage Taiji)

01.10.2014 - German Wildlife Conservationists on a Mission to Halt Japanese Dolphin Hunting (News Blaze)

ProWal - Abschluss-Bericht nach der ProWal/WDSF-Pingeraktion

ProWal-Kampagne „Blue Cove 2014/2015“ zum Schutz der Delfine in Taiji

Zahlen – Statistiken:

Fangsaison: 2014/2015

Fangquote: 1.938

Arten: 7

Vergleiche Fangsaisons:

2014/2015: 751 getötet – 80 in Gefangenschaft – gesamt 831

2013/2014: 834 getötet – 158 in Gefangenschaft – gesamt 992

2012/2013: 899 getötet – 247 in Gefangenschaft – gesamt 1.146

Große Tümmler in Gefangenschaft:

2014/2015: 41

2013/2014: 121

2012/2013: 156

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Laden-Verkaufspreis Delfinfleisch - 2015:

Preis: 2,00 – 2,60 €/Kilogramm

Fleischgewicht 751 getöteter Tiere von fünf Arten:

Etwa 68.000 Kilogramm

Gesamterlös Ladenverkauf: 136.000 € - 176.800 €

Durchschnitt: 180 € - 235 € pro getötetem Tier

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Durchschnitts-Verkaufspreise exportierter Delfine aus Japan (2013):

Für einen untrainierten Delfin: 8.000 €

Für einen trainierten/abgerichteten Delfin: 34.000 €

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Saison 2014/2015:

In Gefangenschaft genommen wurden:

2 Grindwale, 7 Rundkopf-Delfine, 24 Schlankdelfine, 6 Pazifische Weißseiten-Delfine und 41 Große Tümmler

Die in Gefangenschaft genommenen Grindwale und Rundkopf-Delfine sind für die weltweite Delfinarien-Industrie nicht von Interesse und zum Teil auch in Japan unverkäuflich, weil es keine geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten für diese Tiere gibt. Sie werden in den Meerwasser-Gehegen des Wal-Museums in Taiji verbleiben, weil sich dieses gerne mit seltenen Exemplaren gegenüber anderen japanischen Delfinarien hervorheben möchte. Ebenso verbleiben die Tiere mit einem Gen-Defekt im Wal-Museum. Der Albino Große Tümmler „Angel“, der im Februar 2014 gefangen und für 500.000,- € zum Verkauf angeboten wurde, befindet sich nach wie vor im Wal-Museum.

Schlankdelfine eignen sich auch nicht sonderlich für die Haltung in Gefangenschaft und werden nur für Delfinarien in Japan gefangen. Im Moment wird in Taiji mit den jetzt gefangenen Tieren dieser Art versucht, sie länger am Leben zu halten, um sie für den japanischen Markt „salonfähiger“ zu machen.

Pazifische Weißseiten-Delfine sind selten und deshalb für die Delfinarien-Betreiber zwar interessant, aber der Erwerb ist mit einem hohen Risiko behaftet. Obwohl die Pazifischen Weißseiten-Delfine in Gefangenschaft 20 Jahre alt werden können, sterben die meisten von ihnen innerhalb des ersten Jahres.

Große Tümmler, bekannt geworden durch die TV-Serie „Flipper“, ist die gefragteste Art der weltweiten Delfinarien-Industrie.

Noch nie gab es einen so großen Bedarf an Delfinen seitens der weltweiten Delfinarien-Industrie. Neue Delfinarien, wie in Thailand und in Marokko, sind geplant.

106 Delfinarien haben bereits wildgefangene Delfine aus Taiji erworben, hauptsächlich die etwa 50 japanischen Delfinarien. Verkauft werden die Meeressäuger auch ins Ausland, vorwiegend nach China, aber auch nach Korea, Taiwan, Philippinen, Russland, Georgien, Ukraine, Saudi-Arabien, Arabische Emirate, Iran, ägypten, Tunesien und in die Türkei.

1979 wurden drei Delfine aus Japan in das Delfinarium in den Neunkircher Zoo nach Deutschland gebracht. Sie wurden damals für jeweils 60.000 Mark inklusive Transport gekauft. Ein Delfin starb. Der Verbleib der beiden anderen Tiere ist bis heute unklar, da die deutschen und auch jedes europäische Delfinarium eine DNA-Analyse seiner Delfine verweigert.

Taiji - Wirtschaftlich angeschlagen!

Der Verkauf des Fleisches der getöteten Delfine deckt bei langem nicht die Kosten zur Unterhaltung der Treibjagdflotte von 12 Booten.
Der Fang der lukrativen Großen Tümmler ging um 66 % zur letzten Saison und zu 75 % zur Fangsaison 2012/2013 zurück!

Von den 41 Großen Tümmlern, die in der letzten Saison gefangen wurden, sind bereits mindestens 4 Delfine untrainiert an Delfinarien verkauft worden. Der Erlös beträgt pro Tier etwa 8.000 €. Die restlichen Großen Tümmler werden, falls sie die grausame Zeit ihrer Abrichtung überhaupt überleben, nach etwa ein bis zwei Jahren für etwa 34.000 € pro Tier verkauft werden können.

Der Fang und der Verkauf von Großen Tümmlern aus der letzten Saison bringt den Delfinkillern und Händlern etwa 1,3 Millionen € ein.

In den Jahren zuvor konnte noch ein Vielfaches davon erzielt werden!

Taiji hat schon sehr bald ein weiteres Problem. Die Delfinhändler können die große weltweite Nachfrage nach Großen Tümmlern im Moment nur noch aus den Beständen von Fängen aus früheren Treibjag-Saisons abdecken und schon sehr bald könnten die Meeresgehege dort leer sein. Es drohen Umsatzverluste von mehreren Hundert Millionen € für die Betreiber von Delfinarien, wenn sie keine weiteren Delfine mehr für ihre Anlagen bekommen würden!

Für die Delfinarien-Betreiber ist Taiji aufgrund seiner geringen Fänge von Großen Tümmlern in der letzten Saison ab nun und für die Zukunft ein unzuverlässiger Delfin-Lieferant!

Es steht zu befürchten, dass deshalb schon in der nächsten Saison (September 2015 – März 2016) in dem japanischen Fischerdorf Futo wieder größere Delfinfänge begonnen werden, nachdem dort die Tötungen vor ein paar Jahren völlig eingestellt und nur noch wenige Große Tümmler für den japanischen Markt gefangen wurden.
Auch auf den Salomonen-Inseln werden schon manche wieder sehr große Dollaraugen haben, wenn sie wieder Delfine fangen und verkaufen könnten. Bisher erhielten die Einwohner dort eine „Erpressungs-Entschädigung“ dafür, dass wenn sie keine Delfine töten und für die Delfinarien-Industrie fangen, sie einen finanziellen Ausgleich dafür erhalten. Die Angebote der Delfinarien-Betreiber werden jedoch sicherlich höher und verlockender sein, als diese Ausgleichszahlungen!

Weitere Pinger-Aktion von ProWal

Auffallend war während der letzten Treibjagd-Saison in Taiji, dass sich die Delfine oftmals nicht mehr so küstennah befanden, wie das noch in den vorigen Saisons der Fall war, was wir der Platzierung unserer Pinger zuschreiben.
Dadurch haben die Delfine auch deutlich bessere Chancen, der Treibjagdflotte zu entkommen! Oft versuchten die Delfinkiller über mehrere Stunden die Delfingruppen zusammenzuhalten und sie in Richtung Küste zur Schlachtbucht zu treiben. Oftmals gelang dies nicht und die Delfine konnten entkommen!

Auch wenn die Pinger leider nicht alle Delfin-Arten gleichermaßen ansprechen, so konnte dennoch ein Rückgang der Tötungen und die Halbierung der Fänge zur Vorsaison festgestellt werden!

Wir danken an dieser Stelle recht herzlich allen Spendern, die uns bei der letzten Vergrämeraktion unterstützt haben!

ProWal wird seine Kampagne bei ausreichender Unterstützung zum Schutz der Delfine in Japan fortsetzen.

Wir haben nun auch einen Weg gefunden, um die Pinger noch weiter vor der Küste vor Taiji platzieren zu können, als was bisher für uns möglich war.

Andreas Morlok

CEO ProWal

© März 2015

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